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New Work, New Women - 7 Tipps für Female Empowerment

Ich habe hier für Sie die 7 Tipps aus meiner Keynote "New Work, New Women" zusammengefasst, inklusive Links zu den einzelnen Netzwerken.

February 13, 2021
October 11, 2022
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Author: 
Tina

Wer kennt Flächenland?

In Flächenland sind alle Bewohner geometrische Figuren. Frauen sind gerade Linien. Soldaten und Arbeiter sind gleichschenklige Dreiecke mit einer kürzeren Seite (und deswegen unvollkommen). Kaufleute von der Mittelschicht bilden ästhetisch ansprechende gleichseitige Dreiecke. Darüber steht der Adel - je mehr Seiten desto höher die gesellschaftliche Stellung, versteht sich. Diese Welt beschrieb der Mathematiker Edwin Abbott in seinem Buch Flächenland. Flächenland ist offensichtlich eine Satire über das Kastensystem und die Vorurteile der englischen Gesellschaft des 19 Jahrhunderts.

Aber auch ein interessantes Gedankenexperiment

Denn in der flachen, zweidimensionalen Welt können sich die unterschiedlichen Formen gar nicht anders wahrnehmen. Von der Seite aus sieht ein Quadrat nämlich wie ein Dreieck aus, wie eine Linie.

150 Jahre später, heute, in Deutschland: Wer erkennt Flächenland in der Arbeitswelt - hierarchische Organisationsformen, Silosdenken und festgefahrene Geschlechterrollen? Von der Seite sehen alle gleich aus!

Wer hat Lust auf eine neue Dimension?

Ich auf jeden Fall. Als ich 6 war hat meine Mama einen Computer nach Hause gebracht. Sie hat mich zu sich geholt und gesagt. Es gibt zwei Arten von Menschen, Builder und Consumer, Menschen, die bauen und solche die konsumieren. Sie hat eine Pause eingelegt, mir in die Augen gesehen und mich gefragt:

Zu welcher Art möchtest du dazu gehören?

Von diesem Moment an, wusste ich die Antwort. Ich wollte "ein Builder" sein und so viel bauen, wie es ging. Ich habe diesen Rechner genommen und habe damit alles Mögliche ausprobiert, Spiele gebaut, Webseiten, Unternehmen. Irgendwann bin ich als Informatikabsolventin im Konzern gelandet und dachte: "Amerikanisches Unternehmen, viele Möglichkeiten, Dinge zu bauen". Doch an allen Ecken wurde ich als "Techie" gelabelt und aus dem Business ferngehalten. Aber nicht nur mir ging es so. Tech und Marketing hielten nichts voneinander, HR und Finance, Fach- und Führungskräfte, Männer und Frauen, versteht sich, auch.

Lediglich 11% der deutschen Führungspositionen sind von Frauen besetzt und mit dem Querschnitt Migrationshintergrund und Tech wäre ich damals nicht mal eine Linie, sondern ein glatter Punkt auf der Vielfalts-Landkarte.

Mir ging es aber nicht um die Führung und ausdrücklich nicht um Karriere. Aber unser Team hatte ein CRM-System gebaut und ich wusste nicht, wofür Unternehmen ein CRM-System brauchen. Wozu das gut ist. Das hat mich wahnsinnig gemacht. Also habe ich mich entschlossen über Business zu lernen und habe mein eigenes Unternehmen gegründet. Doch kaum war ich raus in der großen weiten Welt - sah ich wieder Flächenland.

Denn als Gründerin war ich Frau und somit eine gerade Linie für Investoren, denn lediglich 2 % des weltweiten Risikokapitals fließt in Gründerinnen.

Die Welt hat sich seit Flächenland verändert.

Doch, wenn wir in den letzten 150 Jahren ein Millenium an technologischem Fortschritt hingelegt haben, so sind wir Menschen kaum vom Fleck gekommen.

  • Seit lediglich 50 Jahren dürfen Frauen in der Schweiz wählen, und Schwarze in den USA.
  • Bis heute beträgt der Gender Pay Gap in Deutschland bis zu 17% und bewirkt über die Jahre eine Rentendifferenz von 45%.
  • Und auch wenn wir wissen, dass wir interdisziplinärer, agiler, kollaborativer arbeiten müssen, so haben sich in Deutschland lediglich 6% der Unternehmen dem Selbstorganisationsprinzip verpfichtet.

Auf persönlicher Ebene wissen viele Menschen mit Kindern, Pflege, einer Behinderung, einer anderen sexuellen Orientierung, einer anderen Religion, oder einfach einem besseren oder schlechtem Aussehen als der Durchschnitt (was auch immer das bedeutet!?), dass wir noch weitestgehend in Flächenland leben.

Wie also vom Flächenland ausbrechen?

Meine Antwort - selbst eine neue Dimension wagen. Über uns hinaus wachsen, Gestalt annehmen, Form bilden, Schatten werfen, anderen dabei helfen, weiter zu sehen, nicht als Frauen oder Männer - als Menschen. Denn Menschen stehen in der Mitte des Dreiecks Arbeit (New Work), Technologie (Digitalisierung) und Gesellschaft (Vielfalt). Menschen gehen zur Arbeit, Menschen erfinden Maschinen und Menschen kämpfen im Alltag um Sicherheit, Status und Chancengleichheit. New Work, Digitalisierung und Vielfalt sind des Dreiecks neue Ausprägungen, aber die Menschen in der Mitte, wir sind die gleichen geblieben.

Und auch wenn die Politik im Dezember die Frauenquote für Vorstände beschlossen hat und am Thema Diversity wie nie zuvor dran ist, es bleibt trotzdem unsere eigene individuelle Aufgabe uns aufzurichten.

Es ist Zeit für ein Update für neue Dimensionen! Wir selbst, auch wir Frauen, müssen unsere Vorstellungen von Arbeit, Technologie und Gesellschaft aktualisieren. Denn zusammen mit dem Dreieck hat sich auch unsere Welt verändert. Und zwar wie nie zuvor.

New Work, Digitalisierung, Vielfalt - Deine Umwelt

Technologischer Fortschritt hat schon immer einen direkten Einfluss auf die Gesellschaft gehabt. Das erste Mal bei der Erfindung der Dampfmaschine haben, als wir die mechanische Produktion gewonnen haben - die Fähigkeit durch Maschinen mehr und günstiger zu produzieren. Das zweite Mal bei der Erfindung der Elektrizität, die die Massenproduktion ermöglicht hat und somit Autos für alle, aber auch den Fließband und die Arbeits-Trennung. In den 80ern schafften wir es zur dritten industriellen Revolution mit Software und dem Internet, die automatische Produktion ermöglicht haben, rund um die Uhr, ohne den Faktor Mensch. Spätestens da begann es zu rütteln. Denn vollautomatisch höher, schneller, weiter, macht vollautomatisch irgendwann keinen Sinn mehr. Und nun kommt es: mit der Entwicklung Künstlicher Intelligenz, schafften wir sogar das zu übertreiben - mit exponentieller Produktivität.

Vor Corona habe wie exponentiell noch erklären müssen, heute weiß jedes Kind, was das bedeutet - sehr schnell, sehr viel. Doch liebe ich die Geschichte vom chinesischen König dazu, der sich aus Langeweile ein Spiel bei den Waisen bestellt hatte. Demjenigen, der ihm das Schachbrett erfand, versprach er jede Belohnung. Der alte Waise wäre aber kein Waise gewesen, hätte er sich nur Gold gewünscht. Er bestellte Weizen - in einer besonderen Reihenfolge.

1 Weizenkorn auf dem ersten Spielfeld, 2 auf dem zweiten, schon auf dem dritten 4, auf dem vierten 8, uns so weiter und so fort, immer das Doppelte auf dem nächsten Feld.

Auf den 64 Feldern eines kleinen Schachbretts summiert sich das auf 18,5 Quintillionen, was mehr Weizen ist als China in 6000 Jahren produzieren könnte. Extrem viel, extrem schnell. Exponenziell also.

Was heißt "exponentiell" übersetzt auf die Arbeitswelt?

  • Immer öfter werden sich die Marktbedingungen verändern (Stichwort Volatilität)
  • Immer schneller werden unternehmen Innovationen auf den Markt bringen müssen (Stichwort Unsicherheit)
  • Immer komplexer die gegenseitige Abhängigkeit und die Ökosysteme (Komplexität)
  • Immer häufiger werden wir an neuen Projekten selbstorganisiert arbeiten und die Rollen tausch (Stichwort Ambivalenz)

Wenn wir bis jetzt im Dreieck Arbeit, Technologie, Gesellschaft gedeiht haben, so sitzen wir jetzt schon in einem Kaleidoskop aus Dreiecken - jeder in seiner eigenen kleinen VUKA-Welt.

  • 11 bis 19 Millionen Jobs fallen in den nächsten Jahren durch Automatisierung weg.
  • Neue Jobs werden entstehen, aber ⅔ der Jobs in 5 Jahren gibt es heute noch nicht.

Nicht nur geometrische Formen geraten da in Panik, versuchen es noch härter, kriegen Burnout oder machen sich aus Vorsicht so klein, dass sie voll und ganz ganz ins Flächenland versinken, eingelullt vom Sog der sozialen Medien. Geheimer Tipp: Das ist nicht die Gewinnstrategie.

Die Gewinnstrategie habe ich schon genannt: selbst eine neue Dimension wagen. Und hier sind 7 Tipps die Euch helfen, Euch wieder zu erfinden, Euch selbst zu wandeln, in der neuen Arbeitswelt sich selbst zu sein. Hier sind sie.

7 Tipps für Female Empowerment im Digitalen Wandel

1. Setzt Euch mit Technologie auseinander. Ihr müsst nicht gleich programmieren lernen, aber die Tools und Geräte werden immer einfacher. Der Bereich Technologie ist mindestens so breit gefächert wie der Bereich Sport. Es gibt Starathleten, aber auch Sportpsychologen, Trainer oder Sportjournalisten. Seht Euch zu Beginn ein YouTube-Video an oder belegt kostenlos einen Kurs auf Coursera, z.B. zur Einführung in KI. Oder schnuppert noch einfacher in ein Tech Podcast für die breite Masse, z.B. "So techt Deutschland". Und ja, die gute alte Volkshochschule bietet ihre Kurse seit letztem Jahr auch online an.

2. Wenn es für Euch zu spät ist, begeistert Kinder und Jugendliche in Eurem Umfeld dazu, sich mit Technologie auseinanderzusetzen. Für junge Menschen gibt es einige Programme wie z.B. Hacker School, Girls Who Code oder Technovation. Erinnert Euch daran, man kennt zwar noch nicht die Berufe von morgen, aber man kann mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass es technische Skills benötigen werden. Auch in der Führung, denn in einer Welt die von Technologie bestimmt wird, wer führen möchte, muss Technologie verstehen.

3. Vernetzt Euch - In der Plattformwirtschaft entsteht Wertschöpfung in sozialen Netzen - nicht zu verwechseln mit sozialen Medien. Investiert die Zeit, um einfach so dran zu bleiben, und automatisch euer Wissen zu aktualisieren. Lediglich 10% davon, was wir wissen, lernen wir in formellen Trainings. 90% entsteht in informellen Gesprächen, Shadowing, uns sonstigen Austausch. Dafür gibt es je nach Euren Interessen bereits unzählige Netzwerke in Deutschland: für Frauen z.B. Global Digital Women, net4tec, Panda oder bei uns auf Mentessa - für alle.

4. Teilt Euer Wissen - kontraintuitiv vermehrt sich dieses dann. Engagiert Euch als MentorInnen, vernetzt euch in der Firma, organisiert Lunch & Learns. Heute geht das auch digital. Wenn ihr Fragen zum Mentoring habt könnt ihr bei uns auf der Webseite nach einer Liste von Mentoring-Programmen in Deutschland sehen. Aber auch Eure Alma Mater - die Schule oder Uni - ist ein guter erster Anlaufpunkt, um sich als Alumni anzubringen. Diese bieten oft Vernetzungsformate zwischen AbsolventInnen und Studierenden, Mentoring-Programme oder Karrierenetzwerke an. Und wenn das alles keine Option ist, dann schreibt Euren eigenen Blog oder Eure (aber bitte echte!) Meinung auf und teilt diese auf sozialen Medien. Es geht nicht um Likes - es geht um Vielfalt in der Diskussion, Erneuerung und Lernen im Austausch.

5. Automatisiert wiederkehrende Abläufe rechtzeitig, damit ihr für all das Zeit habt. Ja, genau, wir können mittlerweile automatisch und exponentiell produktiv sein, schon vergessen?! Das gilt nicht nur für die anderen, oder für Unternehmen. Unternehmen bestehen aus Menschen wie ihr, die am liebsten Anstrengungen vermeiden. Das ist normal. Wenn ihr im Alltag lernt effizient mit Eurer Zeit umzugehen, dann werdet ihr diese Workflows in den Beruf mitnehmen und so auch Eure Arbeit ändern. Probiert als Einstieg eine Alexa Routine aus oder automatische Filter für Euer Postfach. Fürs nächste Level, legt Euch einen Account auf Zapier an und experimentiert. Alle wiederkehrenden Aufgaben gehören heute automatisiert. Das Wissen auf und über diesen Planeten wächst jeden Tag exponentiell an, schafft Euch Zeit, um mitzugehen, mitzulernen und mitzuwissen. Es ist keine Rocket Science.

6. Kommunikation ist Key - In einer vollautomatisierten Welt, in der sowieso Maschinen die wiederkehrenden Aufgaben nach Prozess erledigen besteht Eure Aufgabe als Menschen vorwiegend in der Kommunikation. Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich. Denn Frauen haben einen für Kommunikation, aber es ist zugleich eines der schwierigsten Skills überhaupt. Zum einen ist Kommunikation höchst komplex, denn dafür spielen viele Faktoren eine Rolle: der Sender, der Empfänger, die Nachricht, aber auch das Medium selbst, so wie auch das Umfeld. Auch legen wir dabei zu hohen Nachdruck auf "Sprechen". Doch gute Kommunikation findet auch im "Zuhören", "Schreiben" und "Lesen" statt. Und bei all dem braucht man Empathie und Authentizität um richtig gut zu kommunizieren. Einen einfachen Tipp zur Entspannung habe ich aber doch noch: Sagt Danke! Zeigt, dass ihr gehört habt, gesehen habt, gefühlt habt, sagt Danke, so oft wie es geht. Es ist nicht weiblich und keine Unterordnung - es ist zivilisierte Kommunikation.

7. Von wie zu was - Purpose bestimmt! Anleitungen, Best Practices und How-Tos sind die am häufigsten genutzten Inhalte im Internet. Immer noch lenken wir das Meiste unserer Aufmerksamkeit dem "Wie". Im Bestreben, Dinge richtig zu machen, vergessen wir aber meistens das "Was" auch zu bedenken. Tun wir noch die richtigen Dinge? Ist es sinnvoll noch eine Kopie in die Welt zu setzen? Noch eine zweidimensionale Form aus dem Flächenland? In der neuen Effizienz aber schafft Ihr aber nicht mit Prozessen Wert, sondern mit Experience. Heute braucht jedes Netzwerk, jeder Job, jede Organisation einen Purpose. Ihr auch.

Mit diesen Tipps stellt ihr sicher, dass ihr zusammen mit dem Dreieck Technologie, Arbeit Gesellschaft wachst, selbst für neue Dimensionen sorgt, und eurer und der von den anderen Vielfalt eine Chance gebt. Denn eines konnte meine Mutter vor 30 Jahren nicht einsehen. In einer global vernetzten Welt, entscheidet jeder Klick, jeder Like, jedes Wort darüber, welche Form diese einnimmt. Heute sind wir alle Builder.

Dieser Artikel wurde ursprünglich hier veröffentlicht.

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